1842 fire in the German city-state of Hamburg

Der große Brand – SHMH
shmh.de →Der verheerende Brand von 1842 zerstörte das mittelalterliche Hamburg fast komplett. Grund für das Ausmaß der Katastrophe war eine fatale Fehlentscheidung. Erst will er es gar nicht glauben, als der Diener mitten in der Nacht an die Schlafzimmertür pocht. Dann hört er die Glocken von St. Nikolai und weiß, dass etwas passiert sein muss. Mit einem Mal ist Nicolaus Binder hellwach, zieht sich in Windeseile an, rennt die Treppe hinunter zur Straße, wo bereits die Kutsche wartet. Der Himmel über dem Nikolaiviertel ist schon rot gefärbt von den Flammen, die dort wüten. Der Kutscher schlägt auf die armen Pferde ein, die in wilder Fahrt den Zweispänner über das holprige Pflaster ziehen, bis der Wagen an der Steintwiete zum Halten kommt. Binder springt heraus und wird schon vom Spritzenmeister erwartet, der völlig außer sich zu sein scheint. Er verzichtet sogar auf eine höfliche Begrüßung des Polizeiherrn und sagt: „Wir müssen die Häuser sprengen, sofort.“ Nicolaus Binder begreift nicht, was der Feuerwehrchef damit meint. Er sieht, wie gerade wieder ein Feuerwehrwagen anrückt, die Männer hastig die Schläuche zum Fleet hin ausrollen und schon kurz darauf die Spritze in Gang setzen, deren Strahl in die Flammen der Kaufmannshäuser an der Deichstraße zischt, die aber nicht mehr zu retten sind. „Die Deichstraße ist hin“, sagt der Spritzenmeister, „dort ist nichts mehr zu retten. Doch jetzt drohen die Flammen, das Deichstraßenfleet zu überspringen, und dann brennt die ganze Stadt. Verhindern können wir das nur, wenn wir die Häuser hier in die Luft jagen, denn dann findet die Lohe keine Nahrung mehr.“ Langsam begreift Binder, um was es geht. Aber intakte Häuser sprengen, so etwas hat er noch nie gehört. Drüben in der Neuen Welt, erklärt ihm der Feuerwehrchef, habe man damit Erfolg gehabt. Aber Binder schüttelt den Kopf, seit neun Jahren ist der gebürtige Lübecker nun Polizeiherr in Hamburg, aber noch nie hat er vor einer solchen Entscheidung gestanden. Natürlich kennt er die Besitzer der Häuser an der Steintwiete, wohlhabende Kaufleute sind das. Er kann sich gut vorstellen, wie sie ihn zur Rede stellen werden, wenn er sie zwingt, ihr Eigentum aufzugeben, ihr Heim zu verlassen, damit es absichtlich zerstört werden kann. „Die Feuerwehr soll Brände löschen, nicht intakte Häuser in die Luft sprengen“, werden sie vor Gericht sagen, jedes Gegenargument wegwischen und horrende Regressforderungen stellen, weiß Binder, schließlich ist er selbst Jurist. Der Spritzenmeister steht neben ihm und bedrängt ihn und findet immer neue Argumente, doch der Polizeiherr will das nicht hören. „Tun Sie Ihre Pflicht, treiben Sie Ihre Leute an und löschen Sie diesen Brand. Setzen Sie noch mehr Spritzen ein, schließlich haben Sie doch erst in den letzten Jahren neue Ausrüstung bekommen“, sagt Binder unwirsch und wendet sich ab. Schlangenspritze aus dem 17. Jahrhundert. Das brennende mittelalterliche Hamburger Rathaus wird mit einem langen Schlauch, der zum Wasser der kleinen Alster führt, bespritzt. Feuerwehr-Dampfspritze aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein von zwei Pferden gezogener Wagen mit einem aufgerollten Schlauch. Motorspritze aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Heckansicht eines frühen Feuerwehrautos mit sechs Feuerwehrmännern darauf. Tatsächlich ist die Feuerwehr gut ausgerüstet, verfügt über 34 Land- und elf Schiffsspritzen, von denen jetzt fast alle im Einsatz sind. Insgesamt 1.150 hoch motivierte und gut ausgebildete Feuerwehrleute kämpfen jetzt gegen die Flammen und haben doch keine Chance, die bis dahin größte Brandkatastrophe in der Geschichte der Stadt zu verhindern. Längst hat sich Nicolaus Binder zurückziehen müssen, denn tatsächlich trifft jetzt genau das ein, was der Spritzenmeister ihm angedroht hat. Die Flammen haben das Fleet übersprungen und lecken jetzt an den Fassaden jener Häuser an der Steintwiete, zu deren rechtzeitiger Sprengung sich der Polizeiherr nicht entschließen konnte. Jetzt zuckt er die Schultern, ärgert sich über sich sel
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