Spiegelmans Monster sind kurze RNA-Polymere, die 1965 im Labor des Molekularbiologen Sol Spiegelman durch Evolution in künstlicher Umgebung aus längeren natürlichen Vorgängern (Qβ-RNA) entstanden sind. Vom Bakteriophagen Qβ geerbt und perfektioniert hatten sie die “Fähigkeit”, sich durch das zugehörige Replikase-Enzym vervielfältigen zu lassen. Verloren gingen die Gene für die Bildung von Proteinen, unter anderem für das Kapsid und für ebendiese Replikase. Vor dem Verlust der Phagen-Gene konnte die im Reagenzglas vervielfältigte Phagen-RNA verwendet werden, um Bakterien wieder ganze Phagen produzieren zu lassen. Die Presse verglich diesen “Schöpfungsakt” mit dem Werk von Frankenstein. Gegen die Zuschreibung, Leben aus der Retorte geschaffen zu haben, verwahrte sich Spiegelman – das natürliche Molekül habe als Vorlage gedient. Er betonte aber die Bedeutung der von ihm gefundenen Substratspezifität der Phagen-Replikase für die chemische Evolution – eine Ausgrenzung konkurrierender Substrate durch Bildung von Zellen sei nicht unbedingt nötig. Die Bezeichnung „Monster“ für die entartete, schnell replizierende RNA verwendeten Spiegelman und andere auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen.
Abstract from DBpedia / Wikipedia · CC BY-SA
Discovered by embedding cosine similarity (sentence-transformers MiniLM, 384-dim).